Bist du noch hässig oder kämpfst du schon?

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Weltfrauentag

Auch dieses Jahr gehen wir gemeinsam in der ganzen Schweiz am 8. März auf die Strasse. Unsere Forderungen sind Dauerbrenner. Unseren Kampf müssen wir weiterführen – das zeigt auch die ungenügende Umsetzung der Pflegeinitiative.
Tausende offene Stellen im Gesundheitsbereich allein im Kanton Zürich, zehntausende zusätzlich benötigte Stellen bis 2030 in der Langzeitpflege und -betreuung. Alarmierende Meldungen wie diese sind weder neu, noch sind sie den Entscheidungsträger:innen in Politik und Wirtschaft unbekannt. Im Gegenteil, sie haben sie schon zu oft schulterzuckend zur Kenntnis genommen und den Ball endlos hin- und her geschoben.
Die ungeheuerliche Stagnation hinsichtlich besserer Arbeitsbedingungen und Löhne und die skandalöse politische Dauerblockade können nur eines bedeuten: Noch immer verlassen sich die Verantwortlichen für die Gesundheitsversorgung darauf, dass die vorwiegend weiblichen Angestellten weiterhin durchbeissen und am nächsten Tag brav wieder zur Arbeit erscheinen. Dies ist eine fatale Fehleinschätzung, denn, genau, da war doch was: Eine sich aufopfernde Generation geht genau jetzt in Rente und weitere gleich geartete Jahrgänge gehen gleich danach in Rente. Gleichzeitig steigt rund 40% des Pflegepersonals aus dem Beruf aus. Was nun?
Nun braucht es WIRKLICH bessere Arbeitsbedingungen und deutlich höhere Löhne, damit künftig überhaupt noch irgendjemand zur körperlich und physisch schlauchenden Schichtarbeit bereit ist. 
Das Schweizer Stimmvolk hat dies vor vier Jahren erkannt und deutlich Ja gesagt zur sogenannten Pflegeinitiative. Im fünften Jahr nach der Abstimmung setzt das nationale Parlament jedoch bisher alles daran, dass die Arbeitsbedingungen weiterhin prekär bleiben, dass der Gesundheitsschutz von Angestellten mit Füssen getreten wird, die Versorgungssicherheit immer wieder gefährdet ist und dies alles auf dem Buckel der Angestellten lastet. 
In einem vor wenigen Tagen von den Verbänden im Gesundheitssektor lancierten Appell haben allein in der ersten Woche 160‘000 Personen unterschrieben. Sie alle fordern, zusammen mit den Angestellten und uns Gewerkschaften sowie Berufsverbänden, dass sich die Arbeitsbedingungen und Löhne für die Angestellten in den Gesundheitsbetrieben endlich verbessern.
Ein Grossteil der Jobs im Gesundheitssektor wird von Frauen gemacht. Ist es ein Zufall, dass diese sogenannten Frauenberufe oft prekär und schlecht bezahlt sind? Dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie Seltenheitswert hat? Wir sagen Nein und fordern bessere Löhne, eine echte Mitsprache und sehr konkrete weitere Verbesserungen wie volle Rente vor 65 und eine deutliche Arbeitszeitreduktion. Auch mit der Teilzeitfalle soll endlich Schluss sein. 
Die Frauenstreikkollektive und viele andere Gruppen und Personen rufen schweizweit zum Carestreik 2027 auf. Es wird also höchste Zeit, aus den Puschen zu steigen und sich fit zu machen. Zum Beispiel bei uns in einem Organizing-Kurs oder in einer anderen Weiterbildung, in der du dich über deine Rechte schlau machen kannst. In der du dich vernetzen kannst und dich zusammen mit anderen auf den Weg begibst, auf die Road to Strike. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich zusammenzuschliessen. Denn eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Ohne Zusammenschluss, ohne Organisation, ohne konkrete Handlung werden sich die Entscheidungsträger:innen und Betriebe nicht bewegen. Auf unseren VPOD-Käppi vom vergangenen 14. Juni steht JETZT. Genau.
Wir begehen den 8. März und wir begehen den 14. Juni. Jedes Jahr. Unermüdlich und beharrlich. Die Slogans und Forderungen bleiben Dauerbrenner. Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Lohn, Zeit, Respekt usw. Sie bleiben nicht Dauerbrenner, weil wir so genial im Texten sind und es einfach nichts Besseres auszuhecken gibt. Nein, sie bleiben Dauerbrenner, weil sie bis heute auf ihre Umsetzung warten. Genau. JETZT.

Elvira Wiegers, Gewerkschaftssekretärin VPOD
 

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