Arbeitnehmende möchten mehr als Effizienz und Produktivität

Medienmitteilung

Kantonsrat lehnt Ausarbeitung eines BIP mit zusätzlichen Indikatoren ab

Der Zürcher Gewerkschaftsbund bedauert, dass der Kantonsrat die kantonale Wirtschaftsleistung auch in Zukunft lediglich anhand des BIP messen und dieses nicht mit sozialen und ökologischen Indikatoren ergänzen will. Letztlich reduziert er so seine Analyse der kantonalen Wirtschaft einzig auf die Frage nach Produktivitätsgewinnen. Ausgeblendet bleiben damit weiterhin Verteilungs- und Lohnfragen – beides Anliegen, die Arbeitnehmende deutlich mehr interessieren als abstrakte Produktivitätsfortschritte. 

Die wirtschaftliche Leistung des Kantons wird heute mittels des so genannten Bruttoinlandsprodukts (BIP) gemessen. Das BIP misst den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres im Kanton hergestellt oder erbracht werden. Nur: Wie wir inzwischen wissen, greift die Reduktion der wirtschaftlichen Leistung aufs BIP deutlich zu kurz.

Das Postulat «Mehr als BIP – Ökonomie des Wohlergehens» von Grünen-Kantonsrätin Jasmin Pokerschnig forderte deshalb den Regierungsrat auf, das BIP künftig mit zusätzlichen sozialen und ökologischen Indikatoren zu ergänzen. Wenn der Kanton über wirtschaftliche Massnahmen entscheide, so das Postulat, sollte er sich nicht von rein marktwirtschaftlichen Messgrössen leiten lassen, sondern müsse zwingend die Lebensqualität der Menschen und das Wohl der Natur mitberücksichtigen. «Arbeitnehmende möchten faire Löhne und Arbeitsbedingungen. Für beides taugt das BIP nicht als Indikator; sie kommen darin schlicht nicht vor», so Lea Trogrlić, Geschäftsleiterin des Zürcher Gewerkschaftsbunds. 

Laut der Antwort des Regierungsrates auf das Postulat von Pokerschnig könnten bestehende andere Indikatoren «punktuell beigezogen und analysiert werden». Ein punktueller Einbezug genügt aber nicht, denn er versperrt den Weg zu einem neuen Verständnis von Wohlstand und Fortschritt. Für jede Entscheidung muss die Ausgangslage in ihrer ganzen Komplexität abgebildet werden. Es braucht deshalb ein Indikatorensystem, das das BIP ergänzt und Indikatoren aus verschiedenen Bereichen systematisch zusammenführt.

«Faire Arbeitsbedingungen lassen sich am BIP nicht ablesen», so Lea Trogrlić weiter. «Sie zeigen sich in der täglichen Arbeitszeit, in der Zahl der Ferienwochen, im Umgang mit dem Mutterschutz, in der Mitbestimmung am Arbeitsplatz und in der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Damit ein gutes Leben für alle möglich ist, muss die Perspektive der Arbeitnehmenden in Indikatoren für politische Entscheidungen einfliessen.»

Für Rückfragen: Lea Trogrlić, Geschäftsleiterin GBKZ, 078 863 43 77 (über WhatsApp und Signal)

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