Aktuell
Vernehmlassung ZKB (Kantonsratsvorlagen Nrn. 41, 52, 53 und 54/2013): Stellungnahme des GBKZ
Der GBKZ sagt JA zur Bonzensteuerinitiative
Die Initiative der Jusos verlangt eine stärkere Besteuerung von Vermögen über 2 Millionen Franken....
Ja zum Buch
Seit meiner Zeit als Chemie-Lehrling begleiten mich Bücher. Angefangen hat es mit Tolstojs „Krieg und Frieden“. Seither liegen bei mir zuhause immer mehrere Bücher herum, die zu lesen ich begonnen habe. Darum lässt mich die Abstimmung über die Buchpreisbindung nicht kalt. Denn es geht um ein bewährtes System, mit dem eine grosse Vielfalt und ein breites wissenschaftliches und kulturelles Angebot auf dem Buchmarkt ermöglicht und gefördert wird.
Seit über 100 Jahren gibt es im Schweizer Buchhandel diese sehr bewährte Regel: Ein Buch kostet überall gleich viel. Es spielt keine Rolle, ob das Buch im Internet bestellt oder in einer kleinen Buchhandlung gekauft wird. Dank dieser Regel können die Gewinne aus dem Verkauf der Bestseller für die Verbilligung der weniger gefragten Bücher verwendet werden. Die Buchpreisbindung ist Garantin für ein breites und vielseitiges Bücherangebot, das vom Fachhandel gepflegt werden kann.
Getrieben von der Wettbewerbskommission hat der Bundesrat vor vier Jahren die Buchpreisbindung aus marktideologischen Motiven aufgehoben. Der Buchhandel sollte somit den unbeschränkten Marktkräften ausgesetzt werden. Vom schrankenlosen Preiskrieg - ohne Rücksicht auf die kleinen Buchhandlungen und Verlage - profitierten bloss der Internethandel und die grossen Ketten, die Rosinenpickerei im lukrativen Handel mit Bestsellern betreiben können. Die übrigen zählen zu den Verlieren: Weder die Verleger noch die KonsumentInnenorganisationen, weder die BuchhändlerInnen noch die Angestellten wollten die Aufhebung der Buchpreisbindung.
Ich schmökere sehr gerne in der Buchhandlung; ich lasse mich gerne zu neuer Lektüre inspirieren. Eine Buchhandlung mit einem gepflegten und aktuellen Sortiment ist ein wertvoller kultureller Treffpunkt. Seit der Aufhebung der Buchpreisbindung im Jahr 2007 sind die Umsätze der Buchhandlungen rückläufig. Jedes Jahr schliessen in der Schweiz zehn bis zwölf Buchhandlungen; derzeit sind es noch 350. Ohne Buchpreisbindung geht in den nächsten Jahren jeder siebte Arbeitsplatz im Buchhandel verloren.
Wohin der unbeschränkte Preiskrieg führt, kann an den schlechten Erfahrungen des Auslandes abgelesen werden. Einmal mehr ist Grossbritannien das negative Beispiel der Liberalisierung: Die Buchpreise sind auf der Insel nach der Freigabe der Buchpreise regelrecht explodiert. Sie sind viel stärker gestiegen als die allgemeine Teuerung. Das gegenteilige Beispiel stellt Deutschland dar mit seiner Buchpreisbindung. Bei unserem nördlichen Nachbarn sind die Bücher verglichen mit der allgemeinen Teuerung günstiger geworden.
Weil weder die wichtigsten Anbieter am Buchmarkt noch die Kunden eine Aufhebung der Buchpreisbindung wollen, und weil sich mit der Liberalisierung der Buchpreise keine positiven Effekte erzielen lassen, zeigte das eidgenössische Parlament Grösse und kam auf den falschen Entscheid zurück. Es führte die Buchpreisbindung mit zusätzlichen Verbesserungen wieder ein.
Momentan liegen bei mir ein Roman von Jacques Chessex neben dem Bett, eine Biographie über Ludwig Feuerbach auf dem Tisch und eine wissenschaftliche Abhandlung über die Zürcher Täufer in Greifweite meines Sofas. Werden diese Bücher auch in Zukunft ohne Buchpreisbindung zu erschwinglichen Preisen gedruckt und im vielseitigen Sortiment einer Buchhandlung in der Nähe zum Kauf angeboten?
Am 11. März werden wir über das Referendum gegen die Buchpreisbindung abstimmen.
Kaspar Bütikofer


