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Ich bin auch ein Bauarbeiter!

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leisten viel. Das Mass für die wirtschaftliche Leistung der Schweiz heisst Bruttoinlandprodukt. Es ist von 2004 bis 2011 um beträchtliche 24 Prozent gewachsen. Die Zürcher Steuerstatistik sagt, dass die Steuerpflichtigen 2009 im Durchschnitt fast zehn Prozent höhere Einkommen versteuert haben als noch 1995. Soweit die Statistik… Die Realität ist eine andere: Die Mehrheit der Erwerbstätigen hat in den letzten Jahren verloren.

 

Verloren ging die Sicherheit am Arbeitsplatz. Wer sein Brot mit Lohnarbeit verdient, ist ständig unter Druck. Die Globalisierung der Wirtschaft und die neue elektronische Arbeitswelt ermöglichen und verlangen permanente Verfügbarkeit. Wer das nicht bringen kann oder will, riskiert den Job. Und selbst wer die Leistung erbringt, kann den Job verlieren! Sei es, weil die Produktion in Niedriglohnländer verlegt wird oder weil man für mehr Rechte am Arbeitsplatz gekämpft hat.

 

Verloren ging auch die Gewissheit, dass AHV und Pensionskasse im Alter für ein Leben in Würde reichen. Der Bundesrat und die bürgerliche Mehrheit im Parlament nutzen die Krise für weitere Angriffe auf die Renten, den Teuerungsausgleich und das Rentenalter.

 

Verloren ging die Sicherheit, dass der Lohn zum Leben reicht. Die Kaufkraft der unteren und mittleren Einkommen stagniert seit zehn Jahren. Allfällige Lohnerhöhungen werden von den Krankenkassenprämien und den ständig steigenden Mieten weggefressen.

 

Wer erntet die Früchte unseres Fleisses? Wir kennen die Antwort längst: Die Reichen können den Hals nicht voll genug bekommen und packen ein, was wir mit unserer Hände Arbeit täglich schaffen! Die Zahl der Gehaltsmillionäre ist von 1997 bis 2008 von gut 500 auf fast 3'000 gestiegen. Ich kenne keine einzige Person, die in einem Jahr so viel leistet, dass sie eine Million verdient - wirklich verdient. Dafür sind die Arbeitstage zu kurz und es würde auch nicht reichen, wenn man während der Nacht und an den Wochenenden durcharbeiten würde.

 

Das gleiche Bild sehen wir bei der Vermögensverteilung: Im Kanton Zürich besitzen die zwei Prozent Reichsten gleich viel wie die übrigen 98 Prozent der EinwohnerInnen. In der ganzen Schweiz besitzt ein Prozent Superreiche mehr als die restlichen 99 Prozent zusammen.

 

Es ist höchste Zeit, dass wir uns endlich denen in den Weg stellen, die eifrig immer weiter graben an der Kluft zwischen Arm und Reich! Wir? Ja. Du und ich. Ich bin auch Detailhandelsverkäuferin, Pöstler, Bankangestellte und Bauarbeiter, ich bin Lehrerinnen, bin arbeitslos, Metallarbeiter, Staatsangestellte, IV-Bezügerin, ich bin Pflegefachmann und Gärtnerin, ich bin pensioniert, Buchhändlerin, IT-Arbeiter, Raumpfleger, Hauswart, Fabrikarbeiterin. Ein Angriff auf eine oder einen ist ein Angriff auf uns alle. Wir alle brauchen mehr Schutz. Wir alle brauchen Löhne, die zum Leben reichen. Und wir alle wollen sichere Renten! Wir alle haben das  verdient – wirklich verdient!

 

Zeigen wir am 1. Mai auf Strassen und Plätzen im ganzen Kanton, dass wir viele sind und dass wir diese dreiste Umverteilung von unten nach oben nicht länger hinnehmen. Zeigen wir in aller Öffentlichkeit, dass wir die Kraft dazu haben, Gerechtigkeit gegen die Gier durchzusetzen. Auf zum 1. Mai. Für mehr Schutz, Lohn und Rente!

 

Julia Gerber Rüegg, Präsidentin des Zürcher Gewerkschaftsbundes